Am 6. Juli 1914 trafen sich im Gasthaus „Zu den zwei Schwertern“ eine Anzahl Wanderfreunde, um auch in Lahr eine Sektion des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ zu gründen.

Bereits 14 Tage später fand die erste Werbeveranstaltung statt, um den Lahrern die Bestrebungen und Ziele unserer Bewegung bekannt zu machen.

Der Verein zählte 10 Mitglieder, Heinrich Coblenz wurde zum Obmann und Hermann Pfäfflin zum Kassier gewählt. Die Ortsgruppe wurde trotz des 1. Weltkrieges aufrecht erhalten und sogar die Beiträge an die Zentrale in Wien abgeführt. In der kurzen Urlaubszeit unserer Mitglieder wurden auch Wanderungen durchgeführt, so unter anderem eine Fahrt auf die Hornisgrinde im Juli 1915.

 

Das erste Wanderheim

 

Im Dezember 1918 wurde bei sehr guter Beteiligung eine Wanderung zur Geroldseck unternommen. Man wollte damals, weil der Wunsch der Mitglieder nach einem eigenen Wanderheim immer stärker wurde, ein Taglöhnerhäuschen unterhalb der Burg käuflich erwerben. Aber an der dort kaum zu lösenden Wasserversorgung scheiterte der Kauf.

 

In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg entwickelte die Ortsgruppe eine ungemein rührige Tätigkeit. Eine sehr aktive Laienspielgruppe fand sich zusammen, welche mit ihren Aufführungen ihr Publikum immer wieder begeisterte (z. B. Odilia). Schon im Monatsprogramm der Ortsgruppe vom Oktober 1919 findet man die Worte: „Wobei die Erwerbung eines eigenen Heimes eine dringende  Notwendigkeit ist.“ Immer wieder wurden Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung unserer Heimatstadt Lahr unternommen und nach einem Häuschen Ausschau gehalten. Bis nach Oberharmersbach führte der Weg. Ganz besonders wurde aber das Gaisberg- Hünersedelgebiet durchstreift, denn man wollte Anschluss an den Höhenweg 1 gewinnen.

Endlich hatte man am Fuße des Gaisberges ein kleines strohgedecktes Taglöhnerhaus gefunden. Alle waren davon begeistert. Deshalb wurde es sofort gepachtet. Nun erst begann eine Riesenarbeit. Sonntag für Sonntag zog man auf den Gaisberg. Es wurde gemauert und gezimmert, bis das Haus endlich beziehbar war. Die Instandsetzung der Schäden brauchte doch längere Zeit, als man angenommen hatte. Aber noch größer war der Idealismus, mit dem man den Schwierigkeiten zu Leibe rückte.

Am 17. Juli 1921 durfte die wackere Schar unter großer Beteiligung vieler Naturfreunde von nah und fern, zusammen mit der Lahrer Arbeiterschaft bei schönstem Wetter ihre Hauseinweihung feiern.

 

 

Wirtschaftskrise und 2. Weltkrieg

 

Bedauerliche Auseinandersetzungen, hervorgerufen durch die politische Zerrissenheit des Deutschen Volkes machten auch der Ortsgruppe Lahr schwer zu schaffen. Unser Ehrenmitglied Richard Christmann erinnerte sich noch daran, dass bei seinem Eintritt die Wirtschaftskrise die Mitglieder zwang, ihre Wanderungen in die nächste Nähe von Lahr zu verlegen. So bemühte man sich, in der Umgebung der Burgruine Geroldseck, einen Wanderstützpunkt zu finden. Ein Leibgedinghaus wurde gepachtet und wohnlich eingerichtet. Dann kam das Verbot.

Politischer Wahn zerschlug die N.F.-Bewegung. Auch der Ortsgruppe Lahr wurde alles genommen. Nur der Glaube an unsere herrlichen Ideale konnte man uns nicht nehmen und die Hoffnung, dass auch die Naturfreunde wiederkommen werden, hielt in dieser Zeit unsere Freunde zusammen.

Nach dem Zusammenbruch der Gewaltherrschaft fanden sich auch die Lahrer Naturfreunde wieder zusammen, um die Ortsgruppe neu zu gründen. Vieles war zu tun. Bald hatten wir unser Haus auf dem Gaisberg – wenn auch ausgeraubt – wieder zurück. Man begann von vorne mit Mauern, Zimmern, Malen und Einrichten, damit unseren Freunden wieder eine Rast- und Heimstätte geboten werden konnte. Neue Mitglieder wurden geworben. Dem Nachwuchs unserer sehr aktiven Jugendgruppe sicherte eine Kindergruppe, die 1949 gegründet wurde. Die Pflege des Jungendwanderns ist eine der Hauptaufgaben der Naturfreunde. Das unverfälschte Buch der heimatlichen Natur, besonders der Jugend zugänglich zu machen, ist für uns nicht nur Aufgabe, sondern Verpflichtung.

Man konnte sich jetzt wieder mehr den anderen Aufgaben widmen. Eine Motorwandergruppe wurde gegründet und alle anderen Gebiete unserer Arbeit aktiviert.

Im  Rahmen der Städte-Partnerschaft Lahr-Dole suchte man auch Kontakt zu Naturfreunden aus Dole. Im Jahr 1981 erging die erste Einladung der Doler Freunde zu einem Pfingst-Camp. Nun folgten jährliche Freundschaftsbesuche. Höhepunkt war 1984 die Mitwirkung mit Volkstänzen aus dem französischen Jura bei unserer 70 Jahr-Feier.

Am 24.Mai 1986 kamen die Freunde aus Dole wieder. Sie wurden am Rheinübergang Kappel in Empfang genommen. Von  dort wurde eine Wanderung in den Taubergießen unternommen. Anschließend zeigte Klaus Lüttmann im Anglerheim in Kappel einen Diavortrag über den Taubergießen, so dass der Eindruck den man bei der Wanderung erhalten hatte, noch vertieft wurde. Am Sonntag, 25 Mai war beim Empfang auf dem Naturfreunde-Haus Gaisberg auch Oberbürgermeister Dietz anwesend.